Samstag, 12. März 2011

79) Rathaus oder Synagoge ..??? - Teil 2 -






"Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor ..." (Goethe - Faust )

Heute - den 12.3.2011 - erschien nun der letzte Beitrag von Roland Lange in der Thüringer Allgemeinen über die "verschollene Synagoge" von Mühlhausen..... und nun ...???


Der Geschichtsverein und der Stadtarchivar haben sich ja im Januar mit dem nebenstehenden Artikel eindeutig positioniert.
Die Fakten sprechen dagegen ..... BASTA ..







Ja.. und dreimal ja ..., ich bin auch der Meinung, daß das Rathaus schon immer (nach den vorhergehenden Verwaltungssitzen der Alt- und Neustadt ..., der 1304 erwähnten Unteren Laube auf dem Untermarkt und der Oberen Laube am Obermarkt ...) der Sitz des Rates der Stadt war ... und nach meiner Meinung sogar vorher der Standort eines wichtigen Verwaltungssitzes des Königs (Stadtvogt o.ä.) war.





In meinem Beitrag Nr.69 -Teil 1 von Rathaus oder Synagoge -hatte ich meine Argumente dazu dargelegt.
Ja .. und da geht es mir wie Herrn Lange .. von den offiziellen Stellen keine Reaktion ..
Na .. ja ... ihn möchten ja einige wegen seiner Thesen durch den Fleischwolf drehen ... aber das ist doch wenigstens etwas ..
Aber gar kein Echo .., das ist noch viel schlimmer ..



Wobei ich glaube, die Herren lesen die Artikel und Beiträge der Amateur-Historiker garnicht erst, denn sonst müßte ja irgendwann mal ein Echo kommen.
Gut..., daß man bei Facebook nicht reinschaut, kann man noch verstehen ... Facebook..., die Schmuddel-Ecke des Internets ..!! Aber die vorliegende Blogspot-Seite ist ja im Internet für jeden erreichbar .. und trotzdem ... Nichts ..!!!



Aber nun zurück zum eigentlichen Thema ..

Roland Lange hat in seinen 15 Artikeln interessante Thesen aufgestellt und eine Menge von Fragen aufgeworfen.., die aber auch nach meiner Meinung seine Grundthese .. "das Rathaus war früher die jüdische Synagoge" nicht schlüssig beweisen können.
Bauliche Fakten, wie zum Beispiel in der alten wieder entdeckten Synagoge von Erfurt, gibt es hier nicht .., nur zahlreiche nicht beweisbare Vermutungen.


In diesem Zusammenhang sollte das Sonderheft der Mühlhäuser Beiträge von Carsten Liesenberg "Zur Geschichte der Juden in Mühlhausen ..." immer wieder beachtet werden, wo an Hand belegbrer Fakten die Entwicklung der Juden in unserer Stadt dargestellt wird.
Danach wird die heutige Jüdenstraße als Hauptwohnsitz der Juden im Mittelalter bezeichnet und hier auch eine frühere Synagoge vermutet.

Im Zusammenhang mit der Jüdenstraße fällt eine Ähnlichkeit mit der alten frankfurter Judengasse (im Bild nebenan) auf.

Die mühlhäuser Jüdengasse lag am nördlichen Rande der Altstadt, wobei wohl nur die Südseite der Straße bebaut war, denn die Nordseite gehörte ja zu den Großgrundstücken die in der Neustadt am Steinweg entstanden waren (und die heute zum Teil noch bis zur Jüdenstraße reichen)
Auch in Frankfurt wurde die Jüdenstraße an den Stadtrand gedrängt und hier war ebenfalls nur eine Straßenseite bebaut. Eben so war auch hier die Synagoge (im Bild links) in der Judengasse integriert.



Im Artikel von Roland Lange wird die Obere Laube am Obermarkt in einer Zeichnung von Swetlana Brozgol dargestellt, so wie sie nach Ansicht des Verfassers ausgesehen haben könnte.

Nun hat zwar Rolf Aulepp unter der 1720 errichteten Brotlaube Reste von dem 1304 erwähnten Sitz des Reichsschultheißen nachgewiesen, aber wie die Obere Laube wirklich aussah, weiß heute keiner... und wenn sie bereits vor 1300 entstand, dann dürfte zumindest der obere Teil erst später so ausgesehen haben.

Trotzdem ... ein schöner Versuch .., das nachzuholen, was unsere Vorfahren versäumt haben ... ein Bild von der Oberen Laube ...

Auch das heute veröffentliche Bild von Frau Brozgol vom westlichen Anbau des alten Rathauses, ist ein Versuch, die These von der Synagoge bildlich darzustellen ..... aber ...

Wenn schon verschiedene Vergleiche mit anderen Synagogen erfolgten, wo gibt es ein vergleichbares jüdisches Bethaus in einem Obergeschoss mit einem Aufgang auf der Nordseite.

Die Schwemmnotte, die hier wohl symbolisch überbrückt wurde um Altstadt mit Neustadt zu verbinden, als Zufluss für das Ritualbad anzunehmen, dürfte an Hand der schon vorher eingeleiten Abflüsse aus der Neustadt, auch nicht zutreffen.


Der westliche Anbau (rechts im Bild) soll vor 1343 erfolgt sein
und die 1383 erwähnte große Ratsstube bestand also auch schon im 14. Jahrhundert.
Es ist kaum anzunehmen, daß nur kurz vor dem Judenprogrom von 1349 dieser Synagogenbau entstanden sein soll ... und danach dürfte eine Nutzung als Synagoge ebenso unwahrscheinlich gewesen sein.

Bleiben wir also lieber bei den Fakten ...

Die 1841/42 errichtete Hinterhaus-Synagoge in der Jüdenstraße, dürfte sehr wohl einen Vorgängerbau gehabt haben...
Aber eben in der Jüdenstraße ..!!

Die Stadt und der König waren bestimmt nicht so großzügig, den Juden in Mühlhausen den Bau der größten Synagoge Europas zu gestatten... und das auch noch außerhalb der Judengasse ..

Im Gegenteil..., vielerorts wurden die Bethäuser so wie hier als Hinterhof-Synagogen errichtet, damit die Dominanz der christlichen Kirchen nicht beinträchtigt wurde.


Also .... ein schöner Traum .... mit der Synagoge im Rathausgebäude ..???

Bis das Gegenteil bewiesen werden kann , wohl ja ...

... und da habe ich so meine Zweifel .. mit den Beweisen ..

Smiley .., mein treuer Begleiter durch die mühlhäuser Geschichte meint ..,

daß es eigentlich doch Schade ist, daß nicht mehr über die von Roland Lange aufgeworfenen Fragen diskutiert wird ..., denn einiges war schon interessant ..

Und nur mit BASTA lockt man heute keinen mehr hinterm Ofen hervor ...
oder sollen wir uns doch Christian Morgenstern anschließen ...
" .. Weil .., so schließt er messerscharf..., nicht sein kann.., was nicht sein darf ..."



















Kommentare:

  1. Ich habe in den letzten vier Jahren nicht einen einzigen schriftigen Beweis dafür finden können, dass man das Rathaus auf eine Grenze gebaut haben soll. Es ist doch eher eine jüngere Interpretation (1880-1914) um die ungewöhnliche Lage in einer engen Gasse und ohne Rathausplatz zu erklären.Weiter so! Viele Grüße Roland Lange

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  2. Und wenn in Lindau die Brotlaube das Rathaus ist, warum soll die Mühlhäuser Brotlaube nicht das Rathaus gewesen sein!

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