Donnerstag, 23. Dezember 2010

70) Weihnachtszeiten (1)

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.. Weihnachten steht vor der Tür ..... und Smiley meint.., da müßte es doch auch etwas über die Weihnachtszeiten in Mühlhausen und anderswo etwas zu berichten geben ..




Weihnachten wird seit dem 4. Jahrhundert als Fest der Geburt Christi gefeiert und im Mittelalter auf den Tag der Wintersonnenwende gelegt.
Dabei wurden auch manche vorchristliche Bräuche (Geschenke zum Julfest usw.) übernommen.
Weihnachten ging man in die Christmette .. und zu hause gab es das Festessen und die Geschenke für die Kinder.








Mühlhausen hatte im Mittelalter 16 Kirchen und Kapellen.
Die Kirche bestimmte mit ihrer alles bestimmenden christlichen Frömmigkeit den Tageslauf und war Mittelpunkt des religiösen Lebens.
Neben den hohen christlichen Feiertagen, wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten, gab es nochzahlreiche Fest- und Feiertage zu Ehren der verschiedensten Heiligen, die besonders zu den Kirchweihfesten gefeiert wurden.


Die Geburt Christi wurde besonders in der Malerei und in den Krippenspielen festgehalten.

Zu den frühen Weihnachtsliedern aus dem 15. Jahrhundert gehörte:
"Es ist ein Ros´entsprungen .."






Besondere Anziehungspunkte waren auch in Mühlhausen die Weihnachtsmärkte, die drei Tage lang auf dem Ober- oder Untermarkt stattfanden und zu denen die Händler oft von weither kamen.
Die Collage zeigt einen Jahrmarkt bei der St.Blasius-Kirche.




Die Nikolaikirche war dem heiligen Nikolaus geweiht, an dessen Namenstag, dem 6. Dezember, dann der Nikolaus zu den Kindern kam und Geschenke verteilte.
Nach der Reformation, wurde die Heiligenverehrung zurückgedrängt und Geschenke gab es jetzt vom "heiligen Christ" am Heiligen Abend oder am ersten Weihnachtsfeiertag.
Der Nikolaus kam aber dann trotzdem weiter am 6.Dezember zu den Kindern.



















Zur Weinachtszeit waren dann auch die Kurrendesänger unterwegs, die von Haus zu Haus zogen, fromme Lieder sangen und kleine Spenden erhielten ..
Das Weihnachtssingen fand in Mühlhausen von Weihnachten bis zum Fest der heiligen drei Könige statt, bis es 1692 abgeschafft wurde.







Weihachten bei Martin Luther.., ein Bild aus dem 19. Jahrhundert, das der Zeit etwas vorauseilte.., denn den Weihnachtsbaum gab es wohl erst seitdem 16.-17.Jahrhundert in Deutschland ..
Luther schrieb auch den Text zu dem immer noch beliebten Weihnachtslied..:
"Vom Himmel hoch, da komm ich her .."









Die Martinikirche war ursprünglich dem heiligen Martin geweiht. Nach der Reformation wurde aber dann der Geburtstag Martin Luthers als Martinstag gefeiert. an dem die Kinder heute noch mit Laternen durch die Straßen ziehen.
Bis heute hat sich vielerorts noch der Brauch der Martinsgans erhalten, denn nach der Legende sollendie Gänse den Martin von Tours durch ihr lautes Schnattern gewarnt haben, als ihn die Soldaten fangen wollten.
(.. zum Andenken an diese Rettung landen sie jetzt in der Bratröhre ..., was Smiley irgendwie undankbar findet ..)






Der 30-jährige Krieg brachte auch in Mühlhausenzur Weihnachtszeit Not und Elend.., sowohl für die Stadt.., aber besonders auch für die Dörfer im Gebiet der freien Reichsstadt Mühlhausen .
Es war schon ganz egal welche Truppen hier durchzogen, geplündert wurde von allen.
So wurde auch 1647 noch Hollenbach von schwedischen Truppen am Weihnachtstage "spoliert"




Die wirtschaftlich ausgeblutete Stadt wurde ein paar Jahrzehnte später von der Pest betroffen, an der damals fast die Hälfte der Einwohner starb. Mehrere Kirchen mußten auch in der Weihnachtszeit geschlossen
bleiben und die Angehörigen von Pestkranken durften nur in der Jakobikirche zum Gottesdienst gehen. Die Pesttoten wurden überwiegend auf dem Allerheiligenkirchhof beigesetzt.




Noch vor Johann Sebastian Bach war der Mühlhäuser Johann Rudolph Ahle (1625 - 1673) nicht nur Ratsherr, sondern auch ein bekannter Kirchenmusiker, der unter anderem das Lied ".. Liebster Jesu, wir sind hier .." schrieb.
Später war dann J.S.Bach von 1707 bis 1708 Organist an der Untermarktskirche und 1735 bis 1737 war sein Sohn Johann Gottfried Bernhard Bach Organist an der Marienkirche.
Vielleicht hat der Sohn hier auch schon Teile aus dem 1734 fertiggestelltem Weihnachtsoratorium von J.S.Bach gespielt, aber dem pietistischen Gemeinderat war sein Spiel " .. zu laut .., zu verspielt .." , eben zu modern .. und so blieb auch der Sohn des großen Komponisten nicht lange in Mühlhausen.















Im 18. Jahrhundert normalisierte sich das Leben auch in Mühlhausen wieder und in den Kirchen und zu hause wurde jetzt das neue Weihnachtslied von Johannes Falk: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit ...." gesungen.
Aus dem Heiligen Christ war jetzt das Christkind geworden, daß als schöner Engel vom Himmel kam und den Kindern die Geschenke brachte.










Für viele war aber auch die Weihnachtszeit oft mit der Sorge um das tägliche Brot ausgefüllt.
Und auch die warme Stube war nicht überall ein Selbstverständlichkeit.










Da mußten auch die Kinder oft in den Wald, um das nötige Brennholz zu besorgen.
Natürlich gab es in der Freien Reichsstadt damals auch für das Holzsammeln eine Verordnung und die Forstaufseher achteten darauf, daß nur kleine dünne Äste gesammelt wurden.
Geheizt wurde damals sowieso nur eine Stube, in der sich das ganze Familienleben abspielte.
Wenn dann das Christkind vielleicht doch ein paar Geschenke gebracht hatte, war natürlich die Freude groß.






Im 19. Jahrhundert wurde Mühlhausen dann preußische Kreisstadt, aber besonders bis Mitte des Jahrhundert gab es immer wieder Wirtschaftskrisen, unter denen besonders die ärmere Bevölkerung litt.
Aber wenn es irgend ging, wurden die Kinder nach der Christmette beschenkt und es gab was besonderes zu essen.













Aber es gab auch genügend bürgerliche Familien, die mit ihren Kindern fröhliche Weihnachten feiern konnten.
Und es gab jetzt bald überall den Weihnachtsbaum, damals noch mit Äpfeln und Nüssen, Gebäck und Zuckerwerk geschmückt .. und natürlich mit richtigen Kerzen ..




Oft blieb aber auch das Spielzeug, das auf dem Weihnachtsmarkt angeboten wurde, für manchen unerschwinglich.




















Wie hier auf dem Bild von Carl Michel ging man am Heiligen Abend durch den Weidengraben zur verschneiten Petrikirche.
Das Weihnachtslied ..: "Stille Nacht.., heilige Nacht ...." war Anfang des 19.Jahrhunderts entstanden und wurde bald überall gesungen.
An den Geschenken merkte man dann schon, daß Mühlhausen preußische Garnisonsstadt war, da gab es auch schon mal einen Helm und ein Holzschwert für den kleinen künftigen Soldaten.




Ende des 19. Jahrhunderts dann die Zeit der schönen kitschigen Weihnachtskarten und der ersten Fotografien von der Weihnachtsfeier und den Kindern.
Meist entstanden aber die Fotos damals noch beim Fotografen, denn einen eigenen Fotoapparat konnten sich nur wenige leisten.













So..., Smiley meint, daß es bis hier erst mal genug ist .. und die restlichen einhundert Jahre in einem zweiten Teil der Weihnachtszeiten behandelt werden sollten ..

.. Also .., dran bleiben ..., im Beitrag Nr.71 kommt noch mehr ..










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