Sonntag, 25. April 2010

44) Geschichte der Stadt - 8 - (1925 - 1945)

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Die Weimarer Republik ...,
hatte für Mühlhausen nicht viel Neues gebracht ....
oder doch ...?
Smilie und Rosinante schauten jedenfalls ziemich skeptisch in die Zukunft ....
und das mit Recht ..!


1925 wurde hier die erste Ortsgruppe der NSDAP gebildet. Anfangs nur eine der vielen Parteien die ständig gegeneinander polemisierten, aber bald zeigte sich auch hier der wahre Charakter der Nazis.

Die Zeit war nach wie vor voller Wiedersprüche. Während einige Betriebe, wie die Kammgarnspinnerei Thuringia, neu gegründet wurde, mussten andere den Bankrott anmelden. Es gab zahlreiche Arbeits- und Obdachlose.



Mit der Sachsensiedlung und der Schmudesiedlung
entstanden in den zwanziger und dreißiger Jahren zwar zum Teil in Eigenleistung Wohnungen für Arbeitslose und Kriegsteilnehmer, sowie Kinderreiche, aber die Gesamtprobleme
konnten nicht beseitigt werden.


1928 wurde nicht nur mit dem Bau des Neuen Friedhofes begonnen, sondern auch das Kriegerehrenmal am Stadtberg eingeweiht.
Die Kriegervereine hatten immer noch großen Zulauf und so fiel manchen auch der Übergang zu den militanten Nazis nicht allzu schwer.
Anfang der dreißiger Jahre spitzte sich der Kampf zwischen Links und Rechts auch in Mühlhausen weiter zu. Die SA schlug Schaufenster-scheiben von Konsum-Verkaufsstellen ein und
es kam mehrfach zu Zusammenstößen und Krawallen.


1933 .., mit der "Machtübernahme des Führers" kam dann
der letzte Rest von Demokratie auch in Mühlhausen zum Erliegen.
Oberbürgermeister Dr.Neumann wurde erst "beurlaubt" und dann entlassen.
Die Nazis übernahmen alle wichtigen Ämter, verboten die anderen Parteien und die Gewerkschaften und verhafteten vor allem aktive Kommunisten.
Bald wurden auch die jüdischen Einwohner erst drangsaliert, dann enteignet und verhaftet und später überwiegend im KZ ermordet.
Das bisherige Museum am Lindenbühl wurde als "Fritz-Sauckel-Haus" Sitz der Nazi-Kreisleitung.


Ab 1935 war Mühlhausen wieder Garnisonsstadt.
Zuerst zog die Panzer-Abwehr-Abteilung 37 in die Wendewehrkaserne ein, dann im Jahre 1936 das Infanterie-Regiment 86 in die neue Kaserne an der Windeberger Landstraße, die spätere General- Fuchs-Kaserne und 1938 das Artillerie-Regiment 65 in die neue Görmar-Kaserne.

1936 wurde mitten im Stadtwald ein getarnter Rüstungsbetrieb gebaut: der Gerätebau, der Zünder für Flackgranaten herstellte. Auch andere vorhandene Betriebe wurden bald in die Rüstungsproduktion einbezogen.

1936 war das neue Sparkassengebäude entstanden, wo jetzt die Volksgenossen für den neuen Volkswagen sparen konnten.
Der Steinweg hieß jetzt Hindenburgstraße und weitere Straßen und Plätze wurden nach NS-Größen umbenannt.
Auf den Straßen sah man immer mehr Uniformen.
Jungvolk, Hitlerjugend und BdM, Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht sowie SA, SS und hohe Parteigenossen.



1939 mußten immer mehr Männer die Uniform anziehen und marschierten bald durch halb Europa.

Im 2.Weltkrieg waren die drei mühlhäuser Regimenter in Polen, Frankreich, in Nordafrika und in der Sowjetunion eingesetzt und wurden zum Schluss völlig aufgerieben.
Auf die Stadt selbst fielen relativ wenige Bomben, aber auch die brachten 1944 - 45 Tod und Zerstörung.

1945 dann das Ende des "Dritten Reiches".
Im Februar, als die Amerikaner am Rhein und die Russen an der Oder stehen, wurden die noch vorhandenen Männer zum Volkssturm eingesetzt und auf dem Postplatz vereidigt.

Am 5.April 1945 wurde Mühlhausen dann von den Amerikanern fast kampflos besetzt. Die aufgegriffenen Soldaten der Wehrmaht wurden auf dem Untermarkt gesammelt und in Gefangenlager abtransportiert.
Eigentlich sollte der Krieg für die Mühlhäuser damit vorbei sein, aber in den nächsten Tagen griffen immer wieder mal deutsche Jagdflugzeuge die amerikanischen Konvois auf den Landstraßen und in der Stadt an.

Am 8.Mai 1945 dann das endgültige Kriegsende mit der Kapitulation in Berlin.
Der wahnwitzige Krieg hatte halb Europa zerstört, abermillionen Tote und Verwundete gefordert und unermessliches Leid über die Menschen gebracht.
1.889 Mühlhäuser waren gefallen, viele waren verwundet oder kamen in Gefangenschaft und von dort erst spät oder garnicht wieder zurück.




Übrigens ...,
blieben die Amerikaner nicht lange in Mühlhausen.
Anfang Juli 1945 zog die Rote Armee in Thüringen und auch in Mühlhausen ein ...
und damit begann auch hier wieder eine neue Zeit ...

Kommentare:

  1. Hallo Herr Körber,

    erstmal ein großes Lob an Sie, denn dank Ihnen lernt man doch noch recht viel über die Stadt Mühlhausen kennen, über die man bisher immer dachte, schon nahezu alles zu wissen. Großes Kompliment und unbedingt weiter so, vielleicht gibt es irgendwann auch noch ein Buch von Ihnen, ich würde augenblicklich 2 Exemplare für meine Kinder kaufen, die doch noch recht wenig über ihr Mühlhausen wissen.

    Besitzen Sie denn noch Bilder aus der Zeit zwischen 1936-1945, als die General v. Fuchs Kaserne und das Kasino in der Windeberger Landstraße noch genutzt wurden?

    Grüße aus Mühlhausen

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  2. .. also erstens.., es wäre mir schon lieb, wenn ich wüßte wem ich die Fragen beantworte ..
    .. zweitens.., danke für das Lob.., es freut einen ja doch, wenn man merkt, daß die Beiträge gern gelesen werden ..
    .. drittens .., ein Buch wird´s ja wohl doch nicht mehr geben, aber da war ein Vorschlag eines Lesers garnicht so schlecht.., der meinte, man könnte ja die bisherigen Beiträge am PC ausdrucken .. und hätte dann mit Körbers gesammelten Werken ein interessantes Geschichtsbuch über Mühlhausen ,,
    .. ja und drittens .. z.Zt. habe ich fast kein Bildmaterial über die mühlhäuser Kasernen .., aber das ist ja mal ein Thema.., wo es wieder schön nachforschen lässt ..
    .. also .., auch mit 80 gibt´s immer noch was zu tun ..

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  3. Hallo Herr Körber,

    ich bin es nochmal, leider gab es für mich nur die Option "Anonym", da ich erstens keines der angebotenen Profile verwende und zweitens ungern meine Email-Adresse sowie meinen Namen im Internet veröffentliche.

    Ich würde Ihnen gern mal eine persönliche Email zukommen lassen, mein Name ist Mike Buschmann, wohne in Mühlhausen, kenne auch ihren Andreas (Stichwort: Renault Laguna Freunde) persönlich und würde ihnen gern erklären, warum ich Sie ausgerechnet nach Bildern aus der Zeit 1936-1945 befragte.

    Meine Email für persönlichen Gedankenaustausch: buschmann.mike@web.de

    Liebe Grüße
    Hr. Buschmann

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