Donnerstag, 25. März 2010

32) "via triumphalis" - ja oder nein??


Die Königspfalz Mühlhausen
gab und gibt den Historikern immer wieder Rätsel auf.
So wurde jahrelang auf der Grundlage der Kellerforschung von Rolf Aulepp eine imperiale Einzugsstraße des Herrschers - also eine "via triumphalis" - mit der Gründung der Neustadt in Verbindung gebracht.
Ähnlich wie in Speyer sollte danach auch hier eine breite platzähnliche Einzugsstraße vom Blobach bis zur Marienkirche bestanden haben, wo der König mit seinem Gefolge prozessionsähnlich in die Stadt einzog.
Von Aulepp, Günther, Korff und Badstübner untermauert, war die "via triumphalis" ein fester Bestanteil der Geschichtsforschung in Mühlhausen geworden.
Peter Bühner stellte im Jahre 2000 in seinem Beitrag über "Mühlhausen vor 1300 ..." diese Thesen in Frage, konnte aber auch keinen abschließenden Beweis bringen, daß es keine via triumphalis gab.
Was macht also in diesem Fall ein kleiner privater Hobbyhistoriker?? Er stellt einfach mal ein paar neue Thesen auf, über die sich genauso trefflich streiten lässt, wie über die bisherigen Erkenntnisse.


Fangen wir mit der Königspfalz an. Hier ist ja nur deren Lage um 1250 ziemlich genau bekannt.
Nach meinen Ermittlungen zur Einordnung der Bauten im Mittelalter (Post 4) gab es hier abert sehr wahrscheinlich schon in der ottonisch-salischen Zeit einen konkreten Bezugspunkt für die weitere Stadtplanung.
Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, daß südlich dieser Kernburg eine salische Vorburg lag, deren genaue Lage bzw. Ausdehnung allerdings nur vermutet werden kann.


Schon Bühner hatte 2004 die beiden Königskirchen in Görmar als mögliche wichtige Bezugspunkte für die Einordnung von Bauten und für die Planung der Königsstadt Mühlhausen aufgezeigt.
Davon ausgehend habe ich von einer Grundlinie von St.Nikolai in Görmar zu St.Blasius in Mühlhausen, ein mögliches Planungsraster ermittelt, daß eine frühe Planung der Neustadt erkennen lässt


Aus diesem Planungskozept ergibt sich ein interessanter Zusammenhang mit der möglichen Planung einer "via triumphalis" in eben dieser Neustadt.
So gibt es nicht nur Paralelllinien zu St.Jakobi und zum Rathausvorgängerbau, die auf deren frühe Einordnung schließen lassen, sondern es werden zwei Paralelllinien deutlich, die sich mit der vermuteten imperialen Einzuugstraße ziemlich genau decken.

Diese beiden Linien, die eigentlich vom Blobach (1) bis zur Grasegasse reichen und auf deren Mittelachse der Bau 1 der Marienkirche (2) angeordnet wurde, könnten die Grundlage für die Planung der Neustadt gebildet haben.
Das die Blobachsnordseite zum Bezugspunkt auf der Burg weist und die südliche Linie vom Blobach bis zur Grasegasse verfolgbar ist, sollte das alles nur Zufall sein?
Auch die rechtwinklige Anordnung vom oberen Petristeinweg und Bastmarkt, sowie der oberen Ratstraße mit dem Rathausvorgängerbau (3) und der Grasegasse ..., alles nur Zufall?
Der Abschluss der via triumphalis an der Grasegasse, dürfte am dortigen Beginn der salischen Vorburg gelegen haben, die ja damals noch bestand. So liegen auch einige Keller in der Nähe der angedeuteten westlichen Grenze der Vorburg. Gab es hier schon frühe feste Höfe zum Schutz der Burg?

Jedenfalls ist mit dieser Konstruktion auch die frühere Mittelachse vom Bau 1 der Marienkirche erklärbar. Auch einige von Aulepp aufgezeigte spätromanische Tonnenkeller lassen sich gut in dieses vermutete Planungsraster einordnen.
Andererseits steht die Frage, ob es überhaupt im 12. Jahrhundert schon so frühe Tonnenkeller gab oder entstanden diese erst später auf bereits vorhandenen Groß- bzw. Feudalgrundstücken?


Peter Bühner hatte 2004 eine Bezugslinie von St.Martin in Görmar zu St,Marien in Mühlhausen aufgezeigt, die bis St.Johannis am Blobach führte.
Sucht man zu dieser Hauptachse weitere paralelle und rechtwinklige Linien, ergibt sich ein neues Planungsschema, sowohl für die Neustadt, wie auch für die vorgesehene Stadtmauer.
Gab es also einen Plan 2 für die Neustadt, der auch schon eine Planung für die Stadtmauer vorsah?


Zu dieser von Bühner aufgezeigten Achse ergibt sich eine Paralelllinie, die vom Frauentor über den oberen Steinweg zum Görmartor führt.
Auch die Holzstraße passt sich diesem neuen Schema an und sogar im Süden der Altstadt folgt ein ganzes Stück der Stadtmauer dieser neuen Planung und auch einige rechtwinklige Zuordnungen sind möglich....., wieder nur Zufall?
Hat vielleicht der Wechsel vom salischen zum staufischen Königshaus eine neue Ausrichtung auch in baulicher Hinsicht gebracht oder war es der Brand von 1180, der die neue Planung erforderlich machte?
Denn jetzt gingen die Planungslinien durch das vermutete Areal der salischen Vorburg und es deuten sich Eckpunkte für die Stadtmauer an. Wurde diese jetzt geplant und Anfang des 13. Jahrhunderts dann ausgeführt?

Eine via triumphalis in der oben aufgezeigten Form ist jetzt nicht mehr zu erkennen, aber neue Planungslinien, die wahrscheinlich eine Abkehr von den ursprünglichen Plänen bedeuteten.
Es müssen schon tiefgreifende Gründe gewesen sein, die so eine radikale Neuplanung erforderlich machten.
War beim Angriff Heinrich des Löwen ein Teil der Burg und der Vorburg zerstört worden, so daß sich ein neues Konzept ergab?
Die Reichsburg selbst war ja wohl noch Ende des 12. Jahrhunderts erneuert worden, aber die Vorburg?




Jedenfalls gibt es nicht nur für Hobbyhistoriker vieles, was noch über die Pfalzstadt und ihre Entwicklung zu erforschen gibt und das Thema "via triumphalis" könnte vielleicht nach den obigen Ermittlungen auch eine neue Richtung erhalten.
Ja und wer hat nun eigentlich Recht?
Aulepp oder Bühner?
Nach dem oben gesagten eigentlich beide bzw. fast beide, aber keiner so richtig.




Übrigens -,
wenn sich jemand ganz toll für die erwähnten Ermittlungen zur Einordnung der Bauten interessiert-, ich könnte ja einen Post nur mit diesen trgonometrischen Zuordnungen in den Blog stellen.
Andererseits dürfte das für viele nicht sehr unterhaltsam sein ...., also warten wir erst einmal ab.
Und außerdem gibt es in den vorhergehenden Posts zur Reichsburg und zur Stadtentwicklung schon einiges zu diesem Thema.
Also nicht verzagen -, bei Körber fragen ... :-)

Kommentare:

  1. Danke für den Post! Bisher hab ich gedacht ich bin so ziemlich der einzige der sich mit einem Blog auf die Suche nach einer Pfalz begibt, aber dem ist wohl nicht so ;-)
    Damit habt Ihr einen neuen Leser gewonnen!
    Grüße aus der Königspfalz Tribur die durch die "Mühlhausener Urkunde" von 985 für ein paar Jährchen an Mathilde von Quedlinburg ging ;-)

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  2. .. da sieht man, daß die Urkunde von 985 nicht in Mühlhausen liegt, sonst hätte man sie doch nach der hier üblichen Schreibweise als "Mühlhäuser Urkunde" bezeichnet .., denn selbst das hier verfasste Mühlhäuser Reichsrechtsbuch - übrigens das älteste Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache - hatte schon diese Bezeichnung, die warscheinlich landestypisch war ..., den es heißt ja auch schon immer "Nordhäuser" ... und nicht Nordhausener .. ;-))

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