Sonntag, 14. März 2010

28) Hexenprozesse in Mühlhausen

Der Teufel
war in der christlichen Religion von Anfang an als das Böse in der Welt dargestellt worden. Natürlich hatten auch die anderen Religionen gute und böse Götter, aber jetzt wurde das Böse in einer Person, dem Satan, vereinigt.

Die Geisteswelt war im Mittelalter noch voller böser Geister und Teufel, denen man alle Versuchungen und Unbilden zuschrieb.
Um die Einheit und die Macht der Kirche zu sichern, wurde dann immer stärker gegen Ketzer und Häretiker vorgegangen, denen natürlich der Bund mit dem Teufel nachgesagt wurde. So war es zuerst die Kirche im Bündnis mit den Herrschern und dann die Inquisition, die sich der Ketzer- und Teufelsaustreibung widmete, aber da waren es auch "nur" die Häretiker, welche zur Ehre Gottes ausgerottet wurden.
War es im 12.-13. Jahrhundert in Südfrankreich, wo zigtausende Katharer und Albigenser starben, folterte und verbrannte die Inquisition in Spanien die Ketzer dann bis in das 18. Jahrhundert.







Eine neue Art der Verfolgung trat besonders in Mitteleuropa mit dem Erscheinen des "Hexenhammers" ein, der im Jahre 1489 in Köln erschien und bald als offizielle Regelung zur Bekämpfung von Hexen überall Anwendung fand.
Was bis dahin noch keiner so richtig wusste, wurde mit höchstem kirchlichen Segen jetzt klargestellt.
Hexen waren Frauen, die einen Bund mit dem Teufel eingingen, auf dem Besen zum Blocksberg flogen, wo sie mit dem Teufel unzucht trieben und die dann mit ihrem Schadzauber überall Unheil anrichteten.
Nach heutigen Verständnis natürlich alles völliger Unsinn, aber damals glaubte man an so etwas!








So warf Martin Luther auf der Wartburg sein Tintenfass nach dem Teufel und Albrecht Dürer wusste in seinem Bild "Ritter, Tod und Teufel" auch, wie der Teufel aussah. So eine bisschen wie ein griechischer Satyr. aber natürlich viel greulicher mit Ziegenkopf und großen Hörnern.
Da sich der Teufel aber auch verwandeln konnte, trat er in Märchen und Sagen oft als vornehmer Herr auf, eine Variante, die auf der Folter auch von mancher "Hexe" erpresst wurde.











Das Bündnis und die "Buhlschaft" mit dem Teufel, war der Hauptbelastungsgrund gegen die vermeintlichen Hexen und wurde durch das geistliche Gericht verfolgt.
Da die Beklagten diese Vorwürfe natürlich bestritten, wurden die "Geständnisse" mit den "peinlichen Befragungen" erzwungen.
Das dann offenbarte Teufelsbündnis erforderte natürlich die Höchststrafe -, den Tod durch Verbrennen. Wenn die Hexe nicht gestand, war sie eben verstockt und wurde trotzdem verurteilt oder kam ganz plötzlich im Gefängnis um.





Das weltliche Gericht verfolgte den durch "Hexenzauber" angerichteten Schaden. Das reichte vom "Totzaubern" von Menschen und Tieren, bis zu Unwettern und Missernten.
So waren natürlich schon Kräuterfrauen und Hebammen von Anfang an verdächtig, mit ihrer Heilkunst nicht den Menschen, sondern dem Teufel zu dienen. Half das verkaufte Kräutlein nicht oder kam es zu einer Totgeburt, hatten sie schon bald mit einer Anklage wegen Hexerei zu rechnen.











Egal ob geistliches oder weltliches Gericht, wer erst einmal wegen Hexerei angeklagt wurde, kam fast immer auf den Scheiterhaufen.
Als besondere Gnade konnte die geständige Hexe vor der Verbrennung erwürgt werden.
Freisprechungen gab es nur ganz wenige. Oft wurden aber die Freigelassenen dann noch vom Volk fast zu Tode gesteinigt.






Natürlich ging es bei den Hexenprozessen nach damaligen Recht und Gesetz zu.
So wurden die Hexen erst "gütlich" befragt, wie das so mit dem Teufel war und was sie alles in seinem Namen so getrieben hatten.
Nun erklärten zwar alle, daß sie unschuldig seien (das machten nach damaliger Ansicht alle Hexen so) und so wurden ihnen erst einmal die Folterinstrumente gezeigt, die man da so hatte.
Da auch das meist keinen Erfolg hatte, ging man dann zur "peinlichen Befragung" über. Das hieß so, nicht weil es jemanden peinlich war andere Menschen zu qälen, sondern weil die "Pein" als schmerzliche und qualvolle Methode dazu diente, die erwünschten Antworten zu erhalten.
Egal wie lange sich so eine Befragung hinzog-, manchmal waren es Wochen oder Monate; am Ende stand immer die Forderung:
"Die Hex´ muß brennen ..."





Das galt auch für die Hexenprozesse in Mühlhausen, die hier von 1624 bis 1731 stattfanden.
Die Beschuldigten kamen in das Kellerverlies im Rathaus, wo sie auch verhört wurden. In Fällen, wo man nicht richtig weiter kam, wurde oft auch der Rat des obersten Gerichtes eingeholt.
Von 71 angeklagten Hexen und Zauberern, kamen nur 4 frei.
58 Frauen und 9 Männer wurden wegen Hexerei und Zauberei hingerichtet.






1624 lesen wir in der Stadtchronik:
"Den 18. Juni .. ist die schwarze Grete ihrer Zauberei halber gebrannt worden. Sie hat viel Menschen und Vieh bezaubert und auf viel Frauen bekannt."
Man hatte also der "Hexe" in der Folter mehrere Namen abgepresst, wer mit ihr am Hexensabbat teilgenommen hatte und es dauerte nicht lange, bis die nächsten Prozesse folgten.
Das "Brennen" auf dem Scheiterhaufen fand überwiegend auf dem Galgenberg - dem heutigen Schützenberg - statt.






"Den 15.Juli ist Georg Mertens Frau geholet worden, die hat im Verhör gesagt, wenn sie eine Zauberin sei, so solle ihr der Teufel den Hals brechen. Morgens darauf wird sie im Gefängnis gefunden, und ist ihr der Hals umgedrehet."
"Den 22.Juli sind zwei Hexen verbrannt worden." Die Frau des Steinsetzers Burkhard war eine "Kindfrau" die dem Teufel laut peinlicher Befragung 8 ungetaufte Kinder übergeben hatte!
Am 6. August sollte Martha Sehlingen "gebrannt" werden, aber auf der Richtstätte widerrief sie ihr Geständnis, Menschen und Tiere bezaubert zu haben. Also ging es mit der Befragung weiter, bis der Wille gebrochen war und das Urteil am 17.August vollstreckt wurde.


Übrigens, die Hexengasse hinter der Stadtmauer am Kreuzgraben, hat ihren Namen wohl von dem heute noch vor-handenen "Tollturm" erhalten, der als Gefängnis und Aufbewahrungsort für Wahnsinnige diente.
Hier wurden wohl auch in den Hochzeiten der Hexenprozesse beschuldigte Hexen gefangen gehalten und in dem abgelegenen Turm fanden vielleicht auch entsprechende "Befragungen" statt.






1659 kam eine neue Welle der Hexenverfolgung in Mühlhausen.
"Auf den zweiten Jahrmarkt ist Katharina Kühmstedt gebrannt worden; der böse Feind soll sie im Gefängnis umgebracht haben."
(Wer also an der Folter starb, den hatte eben der Teufel geholt -, so einfach war das damals.)
Von 1659 bis 1664 gab es allein 17 Hexenprozesse in der Stadt. Zwei Mägdelein wurden freigesprochen und vom Pöbel fast zu Tode gesteinigt. Die anderen Frauen wurden verbrannt und 1664 war noch einmal der Teufel zur Stelle: "Den 25. October hat der Teufel einer Hexe von Höngeda, die lange gefangen gesessen ... am Tage vor einem neuen Verhöre den Hals gebrochen, daß sie andere nicht hat angeben können .."
Es kam oft vor, daß die Gefolterten auch Frauen von hochgestellten Herren als Mithexen angaben ..., sollte also hier etwas vertuscht werden...?

Ein typischer Fall war auch der Prozeß gegen Anna Führ - die Hallungsche - aus der Ammergasse. Sie verkaufte allerlei Kräuter auf dem Markte und bei einer "Hexenvernehmung" fiel auch ihr Name. Jetzt wurden Zeugen über ihren Lebenswandel gesucht. Ein Nachbar sagte aus, sie habe ihm vor fünf Jahren ein Stück warmen Kuchen gegeben, von dem er große Beschwernisse hatte und eine ehemalige Magd berichtete, daß im Keller der Führ "gräuliche Wümer" gewesen wären.
Die Führ wurde verhaftet und versicherte natürlich keine Hexe zu sein.
Erst nach wochenlangen Verhören gesteht sie dann auf der Folter ihre "Buhlerei" mit dem Teufel und alles was man noch so hören will. ".. sie hatte viel böse Thaten begangen und ihre beiden Männer tot gezaubert .." hieß es dann in der Chronik. Am 6.Februar 1660 wurde sie am Galgenberg verbrannt.






Auch 1675 - 78 kam es erneut zu Hexenprozessen in Mühlhausen. So berichtete die Chronik 1675: "...Den 26. November ist eine Unholdin, Eva Frankin, gebrannt wordem .." und später ".. Den 16. December ist Eva Mehlern von St.Nicolai verbrannt worden .."
(jetzt hielt man es garnicht mehr für nötig, die Untaten alle aufzuzeigen. Hexen wurden eben verbrannt und basta ...)
Nur in der letzten Erwähnung von 1678 wurde der Bericht nochmal genauer.
So hatte "die Kämmerschen von St.Georgi" gestanden, den Dr.Körber tot gezaubert zu haben, weil er sie nie gegrüßt hätte. Sie hat ihm "... einen Guß aus ihrer Thür gethan .. daß er hat darüber gehen müssen. Darauf hat er angefangen zu siechen, bis er gestorben ..."
Natürlich reichte so etwas zur Verurteilung und so wurde die "Kämmersche" am 11. Oktober 1678 verbrannt.






1731 wurden die letzten zwei Frauen in Mühlhausen wegen Hexerei verbrannt.
58 Frauen und 9 Männer im Alter von 9 bis 82 Jahren, waren hier dem Hexenwahn zum Opfer gefallen.
In ganz Mitteleuropa wütete damals dieser Wahnwitz, egal ob bei den Katholiken oder Protestanten, überall wurde gefoltert und verbrannt.
Erst im 18. Jahrhundert, als die Folter in den Hexenprozessen überwiegend verboten wurde, gab es auch bald keine Geständnisse und keine Hexen mehr.










Besonders aber in ländlischen Gegenden hatte sich der Hexen- und Zauberglaube noch lange gehalten und in den alten und neuen Märchen spielten und spielen Hexen und Zauberer nach wie vor eine besondere Rolle.
Nun wird zwar heute niemand mehr den "bekennenden Hexen", den Kräuterhexen, den Fastnachts-Hexenzünften im süddeutschen Raum oder der "Brockenhexe" im Harz (35 %, lecker) den Prozess machen wollen, aber wenn man so einige Kultszenen und Sekten anschaut, wo Teufel- und Hexenglaube wieder "in" ist, kann man schon ins Grübeln kommen und fragt sich, wo der Verstand bleibt und wem das alles nützt.
"Opium fürs Volk ..." hatte Karl Marx mal zur Religion gesagt. Wenn er die heutige Szene beobachten könnte, würde er wohl eine noch drastischere Aussage zu den Auswüchsen unserer ach so freien Welt treffen.
Aber wie stellte Norbert Blüm fest: "Marx und Lenin sind tot ..."



Übrigens -.
die großen Stadtbrände in Mühlhausen (das Thema meines nächsten Beitrages) konnte man den Hexen nicht in die Schuhe schieben. Die hatten immer ganz natürliche Ursachen.

Kommentare:

  1. Hallo und Guten Tag,
    ich suche Informationen zu einem Hexenpreozess aus dem 16. Jahrhundert. Mein Vorfahrin Cordula GERLACH geb. HASENBEIN, geboren 1530/1531 in Dorna bei Mühlhausen, wurde 1586 in Treffurt der Zauberei beschuldigt und gefoltert. Sie verstarb schließlich im Kerker. Als straferschwerend kam hinzu, dass bereits ihre Großmutter in Mühlhausen als Hexe verbrannt worden sein soll. Zu diesem Hexenprozess suche ich weitere Hinweise.
    Gruß aus Berlin, Andreas Bischoff
    info@family-bischoff.com

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  2. .. sowohl in der Mühlhäuser Chronik, wie auch im Beitrag von Richard Hempel im "Pflüger" von 1924 fangen die Berichte über die "Hexen" in Mühlhausen erst im Jahre 1624 an ..
    Vielleicht hat aber das Stadtarchiv noch irgendwelche Urkunden oder Berichte aus früherer Zeit ..??

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  3. ich sucher einen steckbrief von anna führ

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